08.05.2018 | WTS DACH Tax Directors Meeting in Wien

WTS DACH Tax Directors Meeting in Wien

08.05.2018

TAGUNGSBERICHT | Digitale Geschäfte besteuern, aber wie und wo?

Digitale Geschäftsmodelle machen vor keiner Branche halt. Auch die Steuerfunktionen sind davon besonders betroffen. Dementsprechend angeregt wurden diese Themen beim WTS DACH Tax Directors Meeting in Wien diskutiert.

Am Dienstag, 8. Mai 2018, fand im Sofitel Wien der dritte DACH Tax Directors Round Table mit Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz statt. Diese Veranstaltung organisieren wir alljährlich gemeinsam mit WTS Deutschland und der Schweizer Kanzlei Wenger & Vieli. Thema des heurigen DACH Round Table war „Digitale Geschäfte besteuern, aber wie und wo?“ Am Vorabend der Veranstaltung verbrachten wir mit den teilnehmenden Unternehmensvertretern aus der DACH-Region im Heurigen Zimmermann einen geselligen Abend. Die ICON war durch Prof. Dr. Stefan Bendlinger, Mag. Karl Mitterlehner, Mag. Matthias Mitterlehner, Mag. Günther Platzer und Mag. Karl Waser vertreten. 

Die Veranstaltung gliederte sich in vier Themenblöcke, die jeweils durch einen Impulsvortrag eingeleitet wurden. Anschließend daran wurde die Thematik im Panel und mit den restlichen Teilnehmern diskutiert. Die Panels setzten sich aus Vertretern der drei Beratungskanzleien, Heads of Tax aus den drei Ländern sowie Universitätsprofessoren aus Linz und München zusammen. Prof. Dr. Stefan Bendlinger leitete das erste Panel und Mag. Matthias Mitterlehner war Mitglied des zweiten Panels. Die Themen der vier Panels waren: 

  • Wie digital ist die Welt wirklich?
  • Digitale Betriebsstätten und Fragen der Ergebnisabgrenzung
  • Umsatzbesteuerung digitaler Leistungen
  • Steuerliche Kontrollsysteme und Digitalisierung

Im Rahmen der Diskussionen und Impulsvorträge wurde deutlich sichtbar, dass digitale Geschäftsmodelle vor kaum einer Branche halt machen. So arbeitet Adidas derzeit an der Entwicklung von Speedfactories für die Schuhfertigung. Diese Speedfactories sind hochautomatisiert und sollen Schuhe mittels 3D-Druck überall in der Welt produzieren können. Die Schuhe können dabei von den Kunden selbst im Internet entworfen werden. Eine besondere Bedeutung hat die Digitalisierung auch für Fahrzeughersteller. Schon jetzt sammeln diese laufend eine riesige Menge an Daten. In Zukunft sollen Fahrzeuge untereinander, mit anderen Verkehrsteilnehmern und der Infrastruktur kommunizieren. Dadurch sollen Unfälle vermieden werden, Verkehrsflüsse gelenkt werden und etliches mehr. Gerade im Frachtbereich soll die Digitalisierung auch eine noch größere Optimierung der Routenplanung und Auslastung von LKWs bringen. 

Wie diese digitalen Geschäftsmodelle besteuert werden sollen, darüber besteht derzeit noch weitgehende Uneinigkeit. In diesem Zusammenhang wurden die aktuellen Vorschläge der EU und OECD zur Besteuerung der digitalen Wirtschaft (lesen Sie dazu unseren NL-Beitrag „INTERNATIONALES STEUERRECHT | EU und OECD zur „Digital Economy“ vom 9.5.2018) ausführlich diskutiert. Kernfragen der Diskussion waren: Welchen Wert haben Daten bzw haben sie alleine überhaupt einen Wert, oder entsteht dieser Wert erst durch die Anwendung eines Algorithmus zur Auswertung der Daten? Wo entsteht in diesem Zusammenhang Wertschöpfung? Welche Gewinne könnten einer "digitalen Betriebsstätte" zugerechnet werden? Wie soll die von der EU vorgesehene Ausgleichssteuer eingeordnet werden und besteht das Risiko, dass diese an den Endkunden weitergegeben wird? Liegt ein umsatzsteuerlicher Leistungsaustausch vor, wenn Nutzer Daten bereitstellen und im Gegenzug einen kostenlosen Dienst (wie zB eine Suchmaschine) in Anspruch nehmen? Ab wann wird der Nutzer zum Unternehmer?

Letztlich wirkt sich die Digitalisierung nicht nur auf Geschäftsmodelle von Unternehmen aus, sondern auch auf deren Steuerfunktion. Die internationalen Entwicklungen im Bereich Tax Compliance und auch die Diskussion im Panel zeigten, dass die Steuerabteilungen von börsennotierten Konzernen heute vorrangig darauf bedacht sind, „compliant“ zu sein. Einerseits gilt es, das Unternehmen und den Vorstand vor Strafen zu schützen. Andererseits bringt das Thema Steuern und deren Vermeidung auch gravierende Reputationsrisiken mit sich, vor denen die Steuerabteilung schützen muss. Hier finden digitale Abläufe und Tools zunehmend Verwendung, um die Massendaten, die auch in der Steuerfunktion verarbeitet werden, auszuwerten und zu analysieren. Die Wunschvorstellung einiger Heads of Tax wäre, dass Körperschaftsteuererklärungen in wenigen Jahren mit ein paar Klicks automatisch erstellt werden und die Arbeiten für die Erstellung von Steuererklärungen in Zukunft deutlich weniger Zeit erfordern, als dies derzeit noch der Fall ist.   

Neuen Schwung in die Fragen der Compliance wird auch die mit dem Jahressteuergesetz 2018 in Österreich eingeführte „begleitende Kontrolle“ als Alternative zur nachträglichen Betriebsprüfung bringen. Diese setzt ein funktionierendes und laufend überprüftes Steuerkontrollsystem voraus – siehe dazu unseren NL-Beitrag „JAHRESSTEUERGESETZ 2018 | Betriebsprüfung ade?!“ vom 16.5.2018

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