TRANSFER PRICING | Studie 2025: Die 10 wichtigsten Erkenntnisse
Transferpreise zählen zu den wesentlichen Themen für Finanz-, Steuer- und Controllingabteilungen internationaler Unternehmensgruppen. Die Transferpreisstudie 2025 untersucht auf Basis einer Befragung von mehr als 110 Führungskräften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Transfer Pricing.
Überblick
Im Fokus der Studie stehen einerseits die Bedeutung von Verrechnungspreisen als Steuerungsinstrument sowie deren steuerliche Auswirkungen und die praktische Umsetzung im Operational Transfer Pricing. Andererseits analysiert die Studie, wie weit die Verzahnung von Management- und Steueranforderungen bereits fortgeschritten ist. Untersucht werden dabei insbesondere die Nutzung von Transferpreisen für Unternehmenssteuerungszwecke, die Berücksichtigung steuerlicher Vorgaben bei der Ausgestaltung von Steuerungsmodellen sowie mögliche Konfliktfelder zwischen internen Steuerungsansätzen und steuerlichen Verrechnungspreiskonzepten, etwa im Rahmen von Betriebsprüfungen.
Die aktuelle 2025_Horvath_Transferpreisstudie zeigt deutlich, dass Verrechnungspreise für international tätige Unternehmensgruppen weiterhin zu den größten steuerlichen Risikofeldern zählen. Gleichzeitig besteht in vielen Unternehmen noch erheblicher Handlungsbedarf bei Prozessen, Organisation und Digitalisierung.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
- Steuerliche Rechtssicherheit bleibt das oberste Ziel. Für die überwiegende Mehrheit der Unternehmen steht nicht die Steueroptimierung, sondern die Vermeidung von Betriebsprüfungsrisiken und Steuernachzahlungen im Vordergrund.
- Transferpreise werden kaum zur Unternehmenssteuerung genutzt. Die meisten Unternehmen verwenden Verrechnungspreise primär für steuerliche Zwecke; für die interne Erfolgsmessung und Steuerung spielen sie nur eine untergeordnete Rolle.
- Betriebsprüfungen werden zunehmend anspruchsvoller. Verrechnungspreise stehen weiterhin stark im Fokus der Finanzverwaltungen. Besonders häufig beanstandet werden konzerninterne Dienstleistungen, Vertriebsvergütungen und die Nutzung von immateriellen Werten.
- Italien, China und Indien gelten als besonders prüfungsintensive Staaten. Unternehmen mit Aktivitäten in diesen Ländern sollten ihrer Transfer-Pricing-Compliance besondere Aufmerksamkeit schenken.
- Der Trend zu risikoarmen Vertriebsgesellschaften hält an. Immer mehr Konzerne setzen auf sogenannte „Limited-Risk-Distributors“, um steuerliche Risiken zu reduzieren und die Gewinnverteilung besser steuern zu können.
- Die Kostenaufschlagsmethode bleibt Standard. Vor allem bei konzerninternen Dienstleistungen dominiert weiterhin die Cost-Plus-Methode. Gleichzeitig gewinnt die Nettomargenmethode weiter an Bedeutung.
- Die Digitalisierung des Transfer-Pricing-Bereichs kommt nur langsam voran. Viele Unternehmen führen Planung, Überwachung und Dokumentation von Verrechnungspreisen noch überwiegend manuell durch.
- Künstliche Intelligenz bietet erhebliche Potenziale. KI wird künftig insbesondere bei Dokumentation, Datenanalyse und Risikofrüherkennung eine wichtige Rolle im Transfer Pricing spielen.
- Steuer- und Geschäftsmodell sind häufig nicht ausreichend abgestimmt. In vielen Unternehmen stimmen steuerliche Funktions- und Risikoprofile nicht vollständig mit den tatsächlichen Verantwortlichkeiten überein. Dies kann in Betriebsprüfungen zu erheblichen Risiken führen.
- Klare TP-Prozesse und Governance-Strukturen fehlen oft. Viele Unternehmen verfügen weder über eine eigene Transfer-Pricing-Organisation noch über klar definierte Prozesse. Die Studie sieht hierin eines der größten Verbesserungspotenziale für die Zukunft.
FAZIT
Die Studie verdeutlicht, dass Verrechnungspreise längst kein reines Dokumentationsthema mehr sind. Unternehmen müssen ihre Transfer-Pricing-Systeme zunehmend ganzheitlich betrachten – von der Governance über die Prozesse bis hin zur Digitalisierung. Wer steuerliche und betriebswirtschaftliche Anforderungen frühzeitig miteinander verzahnt, kann Betriebsprüfungsrisiken reduzieren und kostspielige Anpassungen vermeiden.
Die Verrechnungspreisdokumentation zählt zu den zentralen Aspekten der steuerlichen Compliance. Jede in Österreich ansässige Geschäftseinheit einer multinationalen Unternehmensgruppe hat unabhängig von Umsatzschwellen eine Verrechnungspreisdokumentation in Form eines Master Files und eines Local Files zu erstellen (§ 3 VPDG). Fehlt eine den gesetzlichen Anforderungen entsprechende Dokumentation, obliegt dem Steuerpflichtigen der Nachweis der Fremdüblichkeit seiner Verrechnungspreise. Zudem verfügt die Finanzverwaltung in solchen Fällen über eine Schätzungsbefugnis (Rz 409 VPR 2021).
Die Dokumentation der Betriebsstätte (Methode und Ergebnisermittlung) rückt zunehmend in den Fokus. Nicht nur die Frage, ob eine Betriebsstätte vorliegt, sondern vor allem die Dokumentation ihrer Gewinnermittlung steht zunehmend im Mittelpunkt von Betriebsprüfungen. Eine sorgfältige Darstellung der Methodenwahl und der Ergebnisermittlung schafft Transparenz, reduziert Streitpotenzial mit den Finanzbehörden und hilft, Doppelbesteuerungen zu vermeiden.
Benchmarking wird zum Must-have. Ob EBIT-Margen von Vertriebsgesellschaften oder Kostenaufschläge von Betriebsstätten – Finanzverwaltungen verlangen zunehmend einen objektiven Nachweis der Fremdüblichkeit. Eine aussagekräftige Vergleichbarkeitsanalyse schafft Transparenz, stärkt die Argumentation im Prüfungsfall und minimiert das Risiko von Gewinnkorrekturen
Abschließend möchten wir Sie noch auf unsere diversen weiteren Webinare zu den angesprochenen Themenbereichen hinweisen.
Wenn Sie weitergehende Fragen zu diesen oder ähnlichen Themen haben, so kontaktieren Sie bitte gerne die Verfasser oder die übrigen Experten unserer Service Line “Transfer Pricing”.