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UNTERNEHMENSBEWERTUNG | Wertsteigerung durch Working Capital Management

17.10.2014

Effizientes Working Capital Management wirkt sich werterhöhend auf das Unternehmen aus. Um tatsächlich auch im Falle eines Unternehmensverkaufs davon zu profitieren, sind wertsteigernde Maßnahmen rechtzeitig einzuleiten. Nur solche Effekte, die einem Erwerber nachhaltig erscheinen, können tatsächlich zu einem höheren Verkaufspreis führen.

Im Zuge der Vorbereitung eines Unternehmensverkaufs stellt sich in der Regel auch die Frage, durch welche Maßnahmen der Unternehmenswert nachhaltig gesteigert und demgemäß ein entsprechend höherer Verkaufserlös erzielt werden kann? 

Wirkungsvolles Working Capital Management

Eine vergleichsweise einfache Möglichkeit zur Steigerung des Unternehmenswertes bietet etwa die Optimierung des Working Capital Managements. Als „Working Capital“ wird idR der Saldo aus Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten definiert. Die wesentlichen Stellschrauben dafür befinden sich somit in den Vorräten sowie bei den Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Ein erfolgreiches „Working Capital Management“ wirkt sich sowohl auf die Liquidität als auch auf die Ertragslage positiv aus.

Soll etwa die durchschnittliche Außenstandsdauer bei den Forderungen reduziert werden, kann dies durch eine raschere Fakturierung der erbrachten Leistungen, eine Reduktion von Zahlungsfristen sowie durch ein effizientes Mahnwesen erreicht werden. Die ertragswirksame Auswirkung liegt in der Regel darin, dass durch verkürzte Außenstandsdauern die Wahrscheinlichkeit der Einbringlichkeit der Forderungen erhöht wird und es somit zu nur geringen Forderungsverlusten kommt.

Eine Optimierung der Vorratsbewirtschaftung führt regelmäßig zu niedrigeren Lagerkosten und zu geringerem Wertberichtigungsbedarf für den Vorratsbestand. Darüber hinaus ist damit auch häufig eine Reduktion der Personalkosten verbunden.

Bei den Verbindlichkeiten gilt es, möglichst lange Zahlungsziele auszverhandeln, ohne dabei gleichzeitig auf Skontovorteile verzichten zu müssen.

In erster Linie zeigen sich die positiven Auswirkungen solcher Maßnahmen in einer verbesserten Liquidität des Unternehmens. 

Ermittlung des Optimierungsbedarfs anhand von Benchmarkanalysen

Ob und inwieweit Ihr Unternehmen einen Optimierungsbedarf im Hinblick auf das Working Capital hat, kann auch durch Analysen von Vergleichsunternehmen Ihrer Branche ermittelt werden.

Bei einem solchen Benchmarkvergleich wird das Working Capital in der Regel im Verhältnis zur Betriebsleistung betrachtet. 

Auswirkungen auf den Unternehmenswert

Wie sich die Optimierung des Working Capital positiv auf den Wert Ihres Unternehmens auswirken kann, soll das folgende einfache Beispiel zeigen:

Gehen wir davon aus, Ihr Unternehmen erwirtschafte eine nachhaltige Betriebsleistung von 1.000.000,00. Eine Analyse habe ergeben, dass für vergleichbare Unternehmen bei Verkäufen in letzter Zeit Umsatz-Multiples im Schnitt von 0,8 erzielt wurden. Das bedeutet, dass der Gesamtwert Ihres Unternehmens mit etwa 800.000,00 angesetzt werden könnte. Berücksichtigt man nun eine (annahmegemäß bestehende) Nettofinanzverschuldung von 300.000,00, so könnten Sie einen Verkaufserlös von 500.000,00 erzielen.

Gehen wir weiters davon aus, dass das Working Capital in Ihrem Unternehmen rd. 25 % der Betriebsleistung beträgt, was einem Betrag von 250.000,00 entspricht. Durch eingeleitete Maßnahmen reduziere sich Ihr Working Capital auf nunmehr 20 % der Betriebsleistung. Dies führte dazu, dass der Bestand des Working Capital nun nur noch 200.000,00 beträgt. Somit wurden liquide Mittel in Höhe von 50.000,00 freigesetzt und reduzieren die Nettofinanzverschuldung von 300.000,00 auf 250.000,00. Ist diese Reduktion des Working Capital nachhaltig, erhöht sich der Unternehmenswert entsprechend von 500.000,00 auf 550.000,00, also um 10 %. Dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass sich diese Maßnahmen auch, wie oben beschrieben, positiv auf den Ertrag des Unternehmens auswirken sollten und dadurch eine zusätzliche Erhöhung des Unternehmenswertes resultieren kann. 

Rechtzeitige Einleitung von Maßnahmen

Solche werterhöhenden Maßnahmen müssen allerdings zeitgerecht vor einem Unternehmensverkauf eingeleitet werden, um den Interessenten nachhaltige Effekte präsentieren zu können. Bloß kurzfristige Effekte, etwa eine Reduktion der Nettofinanzverschuldung durch verzögerte Zahlung von Verbindlichkeiten kurz vor dem geplanten Unternehmensverkauf, würden wohl im Rahmen einer käuferseitigen Due Diligence entdeckt und korrigiert werden. Im Allgemeinen empfiehlt es sich daher, mit den Vorbereitungen eines Unternehmensverkaufs schon etwa ein bis drei Jahre vor dem beabsichtigten Verkaufszeitpunkt zu beginnen.

Sollten Sie Unterstützung rund um einen geplanten Unternehmensverkauf benötigen, steht Ihnen der Verfasser samt ICON-Transaktionsteam gerne zur Verfügung!

Verfasser:
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