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UMSATZSTEUER | Umsatzsteuersätze in Europa

Umsatzsteuersätze mögen auf den ersten Blick als reine Zahlen erscheinen – in der Praxis entscheiden sie jedoch oft über Planungssicherheit, Vergleichbarkeit und korrekte Abwicklung. Gerade deshalb ist es uns wichtig, Sie regelmäßig auf dem aktuellen Stand zu halten. In diesem Newsletter geben wir Ihnen einen Überblick über die geltenden Umsatzsteuersätze zum 1. April 2026 und zeigen zudem, welche Entwicklungen wir aktuell in ausgewählten Ländern beobachten.

Umsatzsteuersätze im Überblick (Stand: 1. April 2026) 

Zum Stichtag 1. April 2026  (Übersicht verlinken) werfen wir einen aktuellen Blick auf die Umsatzsteuersätze und beleuchten darüber hinaus ausgewählte internationale Entwicklungen. 

Belgien

Mit königlichem Erlass vom 14. Februar 2026Nr. 2026001322 vom 23. Februar 2026 )  hat Belgien im Rahmen seines mehrjährigen Haushaltsabkommens gezielte Anpassungen einzelner Mehrwertsteuersätze beschlossen. Die Änderungen treten mit Wirkung ab 1. März 2026 in Kraft und betreffen insbesondere Pflanzenschutzmittel sowie beherbergungsnahe Dienstleistungen.

  • Der Mehrwertsteuersatz für Pestizide und generell phytopharmazeutische Produkte wird von bisher 12 % auf den Regelsteuersatz von 21 % angehoben. Düngemittel bleiben weiterhin dem ermäßigten Steuersatz von 6 % unterworfen, sofern sie nicht mit phytopharmazeutischen Produkten vermischt sind. Mit dieser Maßnahme antizipiert Belgien die ab 2032 geltenden EU‑Vorgaben, wonach insbesondere chemische Pestizide nicht mehr mit einem reduzierten Mehrwertsteuersatz besteuert werden dürfen.
  • Der Mehrwertsteuersatz wird zudem von 6 % auf 12 % erhöht für:
    • die kurzfristige (weniger als 3 Monate) Zurverfügungstellung möblierter Unterkünfte, insbesondere in Hotels, Ferienwohnanlagen, Gästezimmern, B&Bs sowie vergleichbaren Modellen (einschließlich solcher, die über digitale Plattformen angeboten werden, sofern die steuerlichen Voraussetzungen erfüllt sind),
    • die Überlassung von Campingstellplätzen

Deutschland

Ab dem 1. Januar 2026 wurde im Rahmen des Steueränderungsgesetzes 2025 dauerhaft der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 % auf Restaurant- und Cateringleistungen (ausgenommen Getränke) eingeführt. Ziel ist die langfristige Entlastung der Gastronomie, die Vermeidung von Wettbewerbsnachteilen gegenüber Nachbarländern sowie eine Vereinfachung der bislang komplexen Mehrwertsteuerregeln für Speisen.

Finnland

Der finnische ermäßigte Mehrwertsteuersatz wurde zum 1. Januar 2026 von 14 % auf 13,5 % gesenkt. Die Anpassung betrifft insbesondere Lebensmittel, Medikamente, Bücher, Hotelübernachtungen sowie kulturelle und sportliche Dienstleistungen und dient der Stärkung der Kaufkraft der Haushalte.

Kroatien

Das Finanzministerium hat angekündigt, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 5 % für Erdgas, Fernwärme und damit verbundene Gebühren sowie Brennholz, Pellets, Briketts und Hackschnitzel um ein weiteres Jahr bis zum 31. März 2027 zu verlängern. Diese Produkte unterliegen seit 2022 einem reduzierten Steuersatz, statt dem regulären Satz von 13 %.

Lettland

Im Zusammenhang mit dem Haushalt 2026 wurden Änderungen des lettischen Mehrwertsteuergesetzes veröffentlicht. Vom 1. Juli 2026 bis 30. Juni 2027 gilt ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 12 % für bestimmte lebensnotwendige Lebensmittel (u. a. ausgewählte Brotsorten, Milch, frisches bzw. gekühltes Geflügelfleisch und Eier), um steigende Lebensmittelpreise abzufedern.

Zudem wird der ermäßigte Steuersatz von 5 % für Bücher und Zeitschriften beibehalten, sofern diese in Lettisch, Latgalisch, Livonisch oder in den Amtssprachen der EU, des EWR, der Schweiz, der EU‑Beitrittskandidaten oder der OECD erscheinen. Veröffentlichungen in Sprachen von Drittländern unterliegen weiterhin dem regulären Satz von 21 %.

Litauen

Litauen führt zum 1. Januar 2026 umfassende Änderungen der Mehrwertsteuersätze ein, die mehrere zentrale Wirtschaftsbereiche betreffen. Der bisherige ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 9 % wird auf 12 % angehoben und gilt künftig für Beherbergungsleistungen, bestimmte öffentliche Verkehrsmittel sowie kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen und Ausstellungen.

Im Energiesektor kommt es zu einer deutlichen Anpassung: Für Fernwärme, Warmwasser und Brennholz wird der ermäßigte Satz abgeschafft, sodass künftig der reguläre Mehrwertsteuersatz von 21 % zur Anwendung kommt.

Der Mehrwertsteuersatz auf gedruckte und elektronische Bücher sowie ausgewählte nichtperiodische Publikationen sinkt von 9 % auf 5 %, sofern diese bestimmte inhaltliche Voraussetzungen erfüllen und nicht überwiegend Werbe‑, Musik- oder Videoinhalte enthalten.

Österreich

Österreich plant im Rahmen seiner Anti‑Inflationsstrategie eine Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte lebensnotwendige Lebensmittel. Ein derzeit in öffentlicher Konsultation befindlicher Gesetzentwurf sieht vor, den Steuersatz von 10 % auf 4,9 % zu reduzieren. Die Maßnahme soll – vorbehaltlich des Abschlusses des Gesetzgebungsverfahrens – ab dem 1. Juli 2026 in Kraft treten und betrifft u. a. Milchprodukte, Obst, Gemüse, Brot, Reis, Mehl, Nudeln und Speisesalz, klar definiert anhand von CN‑Codes.

Zusätzlich wurde Damenhygieneartikel und Verhütungsmittel ab dem 1. Januar 2026 von der Mehrwertsteuer befreit.

Polen

Am 27. März 2026 verabschiedete das Parlament ein Gesetz zur Eindämmung der steigenden Kraftstoffpreise, die auf die Lage im Nahen Osten und höhere Ölpreise zurückzuführen sind. Kern der Maßnahmen sind die Einführung von Höchstpreisen für Benzin und Diesel sowie eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes von 23 % auf 8 %, wie vom Ministerpräsidenten angekündigt.

Die Preisobergrenzen werden anhand einer gesetzlich festgelegten Preisformel berechnet, die unter anderem durchschnittliche Großhandelskosten, Verbrauchsteuer, einen Kraftstoffzuschlag, eine Handelsspanne von 0,30 PLN je Liter und die Mehrwertsteuer berücksichtigt. Die neuen Regelungen sollen vor dem 6. April 2026 in Kraft treten.

Schweden

Schweden hat eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel beschlossen. Der Mehrwertsteuersatz wird vom 1. April 2026 bis 31. Dezember 2027 von 12 % auf 6 % reduziert, um Haushalte angesichts hoher Lebensmittelpreise zu entlasten. Ausgenommen sind alkoholische Getränke und Leitungswasser; für abgefülltes Wasser gilt der ermäßigte Satz.

Zusätzlich hat die Regierung vorgeschlagen, die Mehrwertsteuer auf Eintrittskarten zu Tanzveranstaltungen von 25 % auf 6 % zu senken. Diese Änderung könnte ab dem 1. Juli 2026 in Kraft treten.

FAZIT

Die aktuellen Umsatzsteuersätze und deren laufende Änderungen – sowohl innerhalb der EU als auch in angrenzenden Drittstaaten – unterstreichen einmal mehr die Bedeutung einer laufenden und verlässlichen Beobachtung des internationalen Umsatzsteuerumfelds. Unsere Übersicht zum Stand 1. April 2026 soll Ihnen dabei als praxisnahe Orientierungshilfe dienen und aktuelle sowie absehbare Entwicklungen transparent darstellen.

Für weiterführende Fragen oder einen vertiefenden Austausch stehen Ihnen die Verfasser dieses Beitrags sowie die Kolleginnen und Kollegen unserer Service Line Indirect Tax & Customs jederzeit gerne zur Verfügung.